Interview Kurt Tepperwein

Interview Kurt Tepperwein
22.10.2013 Weissensberg D


Wie definieren Sie Erfolg im Leben?

Das Wort Erfolg definiert sich selbst und hat die innere Aussage (die Weisheit der Sprache), dass Erfolg etwas ist, das erfolgt. Damit etwas erfolgen kann, muss etwas vorausgehen. Der Erfolg gehorcht dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Das bedeutet, dass das, was erfolgt, zu 100% dem entspricht, was vorausgegangen ist. Beim Start eines Vorhabens steht immer schon fest, wie es ausgeht, aufgrund der bisher gesetzten Ursachen. In dem Moment, wo ich nur den ersten Schritt tue bzw. beginne, steht schon fest: Gewinn oder Verlust. Es erfolgt nicht irgendetwas, sondern genau das, was der Ursache entspricht. Deswegen gibt es keinen Misserfolg. Das Leben kennt keinen Misserfolg, denn das, was wir Misserfolg nennen, ist nur, wenn ich mir was anderes vorgestellt hatte bzw. geplant hatte alswas dann passiert ist.Aber das Leben macht keine Fehler. Das Leben verwirklicht genau die Ursache,auf die ein Ergebnis folgt. Für mich ist Erfolg, dass erfolgt, was ich beabsichtigt habe. Und da musste ich lernen, die richtigen Ursachen zu setzen, und dann ist der Erfolg unvermeidbar. Erfolg ist für mich, dass das erfolgt, was ich beabsichtigt habe. Dazu muss ich lernen, die richtigen Ursachen zu setzen, und dann wird sich der Erfolg einstellen.


Herr Tepperwein,Sie sind jetzt 81 Jahre jung. Was waren Ihre größten Erfolge?

Die größten Erfolge waren erstaunlicherweise nicht die größten Ereignisse in meinem Leben. Also wenn ich viele Firmen aus dem Nichts verwirklicht habe, wie z.B. mit einem Freund zusammen die erstengewerblichen Judoschulen in Deutschland gegründet. Weiters habe ich eine Modeboutiquenkette aufgebaut und selbst Mode designt wie auch selber produziert. Ich habe viele Dinge getan, was Leute, die mich kennen oder mich ein Stück begleiteten, als Erfolg oder gar großen Erfolg gewertet haben. Aber wenn ich jetzt von heute aus zurückblicke, war Erfolg was ganz anderes. Erfolg war ganz still, und ich bemerkte dies erst Monate, teilweise Jahre später. Z.B. die Erkenntnis, wer ich wirklich bin. Das war für mich ein Wendepunkt in meinem Leben. Denn wenn man auf die Welt kommt, denkt man über sich nicht nach. Man ist einfach nun mal da und ist im Prinzip Opfer, ich bin abhängig von der Mutter, kann mich selber nicht ernähren. Der Vater muss Geld verdienen, damit ich was zu essen habe. Ich werde gekleidet, ich bekomme gesagt, du musst zur Schule gehen, du musst dein Zimmer aufräumen. Also ich bin in einer Welt, in der ich mich als Opfer erlebe. Dann zunächst einmal zu entdecken, das war auch ein Erfolg. Ich bin nur anfangs ein Opfer. Aber dann entdeckte ich, dass ich ein Schöpfer in Übung bin. Ich kann hier eingreifen,z.B. wenn ich in der Schule in Mathematik schlecht bin, dann kann ich ja büffeln (lernen), und ich werde besser, bis ich gute Noten bekomme. Dann erlebe ich zum ersten Mal, eigentlich bin ich kein Mathegenie, aber weil ich Fleiß investiert habe, habe ich ein Ergebnis erreicht. Das haben nicht meine Eltern oder der Lehrer gemacht, das habe ich gemacht. Das bedeutet, ich habe die Macht zu bestimmen, welche Noten ich bekomme! Wow! Das war eine so großartige Erkenntnis! Ich habe in der Schule gelernt und das auch so erlebt,dass ich kein Opfer bin, sondern ich kann ja Einfluss nehmen. Allmählich entdeckte ich, dass ich keinen Einfluss nehme, sondern ich bestimme es. Auch diese Erkenntnis war ein großer Erfolg. Aber in der Jugend war ich noch ein Opfer, das Lehrgeld zahlte. Aus dieser schmerzhaften Erfahrung heraus ein Opfer zu sein, hieraus erwachte ich und entdeckte mein Potential und wuchs über mich hinaus. Diese Prozesse und die Erkenntnisse wie Ergebnisse daraus waren meine größten Erfolge (aus heutiger Sicht).
Anfangs dachte ich, ich könnte Situationen (Opfer) ändern, nein, dann bemerkte ich, ich kann die Situation bestimmen!


Wie haben sich Ihre Erfolge auf andere Menschen ausgewirkt?

Zunächst hat meine Umgebung gesagt: „Das kannst Du nicht machen.“ Weil ich einfach immer ausgegangen bin von einem Ideal, also nicht von den Gegebenheiten (wie die meisten Menschen leben im Gefängnis der Gegebenheiten / Umstände). Sondern ich muss die Umstände, Gegebenheiten nach meiner Absicht gestalten und nicht umgekehrt. Also haben mir die Leute gesagt, unter den gegebenen Umständen ist das gar nicht möglich. Dies wurde mir aufgrund deren Erfahrung auch bewiesen. Dann habe ich gesagt danke, jetzt habe ich begriffen und ich habe soeben den Schlüssel zur Macht erhalten. Mein Gegenüber hatte es einfach nicht verstanden, was er mir gesagt hat. Als Unternehmensberater wurde mir immer gesagt, dass Dinge unter den gegebenen Umständen nicht möglich sind. Ich sagte stets, man muss nur eine Sache hinzufügen: „Unter welchen Umständen wäre es denn möglich?“ Und der zweite Schritt: „Wie schaffe ich diese Umstände?“ Und dann ist es plötzlich möglich. Mit diesen beiden Schritten habe ich unmögliche Firmenerfolge erreicht und großartige Möglichkeiten kreiert. Und das war die Bestätigung: „Wir sind nicht Opfer im Gefängnis der Gegebenheiten, sondern wir müssen die Gegebenheiten ändern.


Wurden durch Ihr Wirken Menschen aus der beschriebenen Opferrolle befreit?

Es waren drei Schritte:
Erstens: Die Umgebung hat gesagt das kannst du nicht machen, und hat mir bewiesen, warum es nicht geht. Dann habe ich es trotzdem gemacht, und die Menschen sagten: „Bei dir klappt es irgendwie immer, aber generell geht das nicht.“
Zweitens: Dann habe ich den Menschen gezeigt, wenn sie das Gleiche tun würden, würde nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung auch dasselbe passieren. Dann haben sie begriffen, das liegt nicht an mir.
Drittens: Es hat nichts mit Glück etc. zu tun, sondern dass man einfach das Richtige tun muss, und es passiert auch das Richtige.


Hatten Sie in Ihren jungen Jahren einen Mentor oder ein Vorbild?

Mit 17 Jahren wurde mir schmerzhaft bewusst, dass ich keine Ahnung vom Leben hatte. Ich musste Berufsentscheidungen treffen, und ich fand es ungerecht, eine Entscheidung zu treffen, die das ganze Leben bestimmen kann. Ich hatte keine Ahnung und Information für die Entscheidung. Ich wusste nicht, nach welchen Kriterien ich das entscheiden soll, und ich fand das verkehrt. Dabei habe ich mir gewünscht und war mir irgendwie sicher, da kommt ein älterer Herr mit weißen Haaren. Der weiß, wie alles im Leben funktioniert und wird mir helfen. Der kam aber nicht! Da dachte ich mir, ich bin nicht vorbereitet, ich muss mich vorbereiten. Dies machte ich, indem ich mir Weisheitsliteratur von Seneca, Platon, Sokrates etc. besorgte und las. Dann fühlte ich mich vorbereitet, dass ein Meister mich lehren könne, aber dieser kam immer noch nicht. Etwa 20 Jahre später hatte ich die Erkenntnis, dass der Meister schon längst bei mir gewesen war, ich hatte ihn nur nicht erkannt. Es war kein weißhaariger Meister, wie ich es mir im Außen vorgestellt hatte. Sondern ein innerer Meister, der mich lehrte und schulte. Dann hat es wieder gedauert, bis die innere Stimme den inneren Meister verstanden hatte. Dass dieser innere Meister auf jede Frage eine Antwort hat, habe ich dann Jahre später entdeckt.
Aber einmal hatte ich kurzfristig im Außen einen Mentor, ein bekannter Mann, der deutsche Botschafter beim Völkerbund in Genf. Als Autor war er für mich ein Vorbild, denn er hatte 82 Bücher geschrieben. Er sagte: „Du schreibst jetzt mal ein Buch.“ Ich hatte damals keine Ahnung, wie das geht, doch er ermutigte mich, es trotzdem zu tun. Er gab mir guten Rat, wie ich auch als Autor erfolgreich sein kann, und das war ich dann auch.


An welchen Merkmalen lässt sich ein geeigneter Mentor bzw. Ratgeber erkennen?

Dass der Ratsuchende keine Zweifel hat, wovon Er oder Sie spricht, und dass der Rat hilfreich ist. Dass Sie überhaupt nicht nachdenken, ob das, was Er oder Sie sagt, hilfreich ist, sondern spüren, dass es richtig ist für Sie. Wenn Sie Zweifel haben, dann ist es nicht der richtige Ratgeber.


Wussten Sie als junger Mensch, was Sie später einmal arbeiten wollen bzw. was aus Ihnen werden sollte?

Es ergab sich, ich habe gewusst, was ich idealerweise machen will. Ich wollte am liebsten mir Konzepte ausdenken, Ideen haben, die ich zu einer Vision entwickle und die Visionen dann auch verwirklichen. Aber das war damals etwas nebulös, wie man so etwas macht. In welche Richtung gehe ich? Und ich hatte kein Kapital, um etwas zu machen. Das waren zum Glück noch die Hemmnisse in der Jugend, denn mir fehlten noch die erforderlichen Erfahrungen. Früher dachte ich: „Wenn man Geld hat, ist man reich.“Und das stimmt natürlich nicht. Wenn man Geld hat, hat man nur Geld. Reich ist man deswegen noch lange nicht. Also überlegte ich mir, wie kann ich meine Ideen idealerweise umsetzen? Und dann wollte ich gerne Innenarchitekt werden. Dann erkundigte ich mich über ein Studium in Mainz. Zum Glück gab es damals freie Studien, denn ich hatte kein Geld für ein Studium. Dazu brauchte ich eine Handwerksprüfung, um eine Zulassung für das Studium zu erhalten. Ich sagte zu mir Okay und bin Schreiner geworden. So fing das Ganze an. Mit Begeisterung zog ich dann alles durch. Auch heute noch liebe ich das Holz und designe mir selbst meine Inneneinrichtung. Designen ist für mich das Materialisieren von Visionen.


Sie verfügen über eine Vielzahl von Talenten und Fähigkeiten. Zu welcher Tätigkeit fühlten Sie sich berufen, und wie fühlte sich diese Berufung an?

Also ich selbst glaube nicht, dass ich so viele Talente habe. Ich habe einige Talente bzw. Tugenden der anderen Art: Ich bin fleißig, beharrlich, diszipliniert. Diese Eigenschaften haben mir stets geholfen, vorwärts zu kommen. Ich hatte 19 Berufe in diesem Leben. Immer wenn ich mir gedacht habe, ich habe meine Berufung gefunden, ergab sich der nächste Schritt, und der war meistens zwingend. Das Leben bot mir eine neue Chance, aber es war auch eine Notwendigkeit. Es gab eine Währungsreform, ich hatte kein Geld, keine Kontakte oder Beziehungen, und ich musste zum Überleben Geld verdienen. Dann habe ich aus extremer Not heraus gehandelt. Schreinermeister konnte ich nicht werden, denn dazu fehlte mir das notwendige Kapital. Also bin ich Vertreter geworden und musste verkaufen. Ich arbeitete als Staubsaugervertreter, denn das brauchten die Menschen. Aber nach vier Monaten bemerkte ich, das ist aus der Not heraus. Es hat uns über Wasser gehalten, aber ich kann das nicht mehr länger machen. Ich dachte mir: „Was ist das Ideal?“ Mein Ideal war, dass ich an einem Ort bin, wo Menschen zu mir kommen und etwas von mir wollen. Dann kam die Idee mit der Boutique, denn die Menschen brauchen was zum Anziehen. Um eine begehrenswerte Mode anbieten zu können, konnte ich nicht bei einem Großhändler kaufen. Ich designte meine eigene Kollektion. Das war derart erfolgreich, dass wir eine Boutique nach der anderen eröffneten. Zum Schluss hatten wir 122 Boutiquen, die ich dann wieder verkauft habe.


Änderte sich mit zunehmendem Lebensalter die Berufung?

Die Berufungen änderten sich immer wieder. In der Modebranche bot ich einzigartige und bezahlbare Mode. Dieses Konzept funktioniert auch noch in 100 Jahren. Eines Tages kam der Eigentümer des größten Modehauses vom Ort zu mir. Er war mein größter Konkurrent und bat mich um Hilfe, da bei ihm die Geschäfte bei weitem nicht so gut liefen als bei mir. Er bot mir ein stattliches Honorar und ich half ihm. Eigentlich ein unmögliches Ansinnen, der Konkurrenz zu helfen, erfolgreicher zu werden. Aber ich machte es trotzdem, denn es reizte mich, einem Unternehmen zu helfen,das um ein Vielfaches bessere Voraussetzungen hatte als ich. Ich ging für acht Tage als Verkäufer in das Unternehmen und analysierte die Situation. Es brauchte aber nur zwei Stunden, und ich wusste was los war. (1) Somit war ich dann Unternehmensberater, und als dieser habe ich immer als Honorar 50% von der Umsatz-/Gewinnsteigerung verlangt. Damit habe ich Honorare bekommen, die ich sonst nie verdient hätte. Denn der damalige Konkurrent hat innerhalb eines halben Jahres 60% mehr Umsatz getätigt.
Ich habe nie in Konkurrenz gedacht, ich wusste, ich bin gut und die anderen sind auch gut. Die Ursache meines Erfolges habe ich erst Jahre später in Kyoto, Japan, erkannt. Als ich mit meinem Dolmetscher durch die Kaiserstadt ging, bemerkte ich einen Kindergarten, der mich faszinierte. Die Kinder hatten gerade Sport mit einem japanischen Trainer. Die Kinder rannten auf ein Kommando des Trainers los. Dabei bemerkte ich, dass niemand die Zeit aufnahm, und ich fragte meinen Dolmetscher, warum niemand die Zeit misst. Dieser entgegnete mir: Wozu? Daraufhin sagte ich zu ihm: „Die müssen doch wissen, wer Erster war.“ Der Dolmetscher verstand mich nicht, wozu das nütze. Er erklärte mir das Prinzip von KAIZEN :Es geht nur darum, heute besser zu sein als gestern, morgen besser zu sein als heute, und nicht, dass man unter- bzw. miteinander konkurriert. Im Prinzip konkurriert jeder nur mit sich selbst. Da habe ich einen wichtigen Unterschied gelernt: den Unterschied zwischen Siegen und Gewinnen. Denn ich war noch in Siegermentalität im Sinne der olympischen Idee, ich gewinne eine Gold-, Silber- oder Bronzemedaille, und die anderen sind eben Verlierer. Bei dem Wettkampf der japanischen Kinder kann jeder gewinnen. Und da liegt der Unterschied, siegen kann immer nur einer, aber gewinnen können alle. Gewinnen kann man miteinander. Und das war eine Erkenntnis, dass ich im Innersten bereits stets danach gehandelt habe. Sonst hätte ich nicht die Konkurrenz beraten und denen geholfen, besser zu werden. Wenn wir miteinander das Richtige tun, dann gewinnen wir alle


Wenn Sie ein Ziel hatten, wie gelang es Ihnen, dieses Ziel zu erreichen?


Da gibt es einen einfachen Schritt, der mir geholfen hat. Die Ziele nicht nur oft oder meistens zu erreichen, sondern in jedem einzelnen Fall. In jedem einzelnen Fall höre ich nicht auf, bis ich das Ziel erreicht habe. Ob es drei Tage oder drei Wochen oder Jahre benötigt, spielt dabei keine Rolle. Für ein Ziel habe ich sogar 30 Jahre benötigt, um es zu erreichen. Eine Sache ist erst dann erledigt, wenn sie erfolgreich abgeschlossen ist.


Ihrer Biographie entnehme ich, dass Sie viele richtige Entscheidungen in Ihrem Leben getroffen haben. Verraten Sie mir Ihre Methode, wie Sie „richtig“ entscheiden?

Das ist ganz einfach, das heißt, wir alle haben in uns ein Zentrum der inneren Weisheit. Wir alle sind ein ungetrennter Teil des einen Seins, und somit sind wir stets angeschlossen an die Allwissenheit. Das ist so wie mit unserem PC. Wir oder unser PC weiß nicht alles. Aber mit dem PC können wir im Internet die gewünschten Informationen suchen und finden. Ich muss nur wissen, wie das geht, wie ich Kontakt aufnehme. So muss ich auch hier wissen, wie ich in Kontakt trete mit der Weisheit meines wahren Seins und aus dieser Weisheit die richtigen Entscheidungen zu treffen. Denn solange ich die Entscheidungen aus dem Verstand fälle, sind diese begrenzt auf meine Lebenserfahrung. Damit sind diese auch nie vollkommen.
Dann habe ich gelernt, dass jede Frage und jede Aufgabe schon die perfekte Lösung und Antwort in sich trägt. Als innewohnendes Ideal; ich brauche mir die ideale Lösung nicht zu erarbeiten. Ich muss nur lernen, diese zu erkennen. Dazu benötige ich Kontakt zu mir selbst, das heißt, ich muss zu Bewusstsein kommen und nicht meinen Verstand fragen. Sobald man zu Bewusstsein gekommen ist, entfällt das Denken vollständig. Das konnte ich mir anfangs nicht vorstellen, aber heute denke ich fast gar nicht mehr. Sondern ich nehme wahr und höre auf mein inneres Sein, wie es ist. Dann gibt es auch keine Entscheidungen mehr zu fällen sondern nur noch zu erkennen, das innewohnende Ideal zu erkennen. Und das gilt es zu verwirklichen als Ziel. (2)


Wie würden Sie den Prozess des Erwachens bzw. zu Bewusstsein kommen hinweg vom Verstand beschreiben?

Ganz einfach, aus dem Verstand heraus sich die Frage stellen: „Wer bin ich?“ Dann vor den Spiegel treten und sagen, ich bin eine brillante Persönlichkeit, ich habe einen überzeugenden Verstand, ich bin beeindruckend, ich bin erfolgreich, ich bin mit meinem Körper zufrieden. Aber bin ich das eigentlich wirklich? Mit der Weisheit der Sprache wird dies ganz anders ausgedrückt, denn ich sage: „Ich habe einen brillanten Verstand, ich habe eine beeindruckende Persönlichkeit, ich habe eine schlanke Figur.“ Ich habe das …, also bin ich das nicht, weil ich es habe! Also bin ich der Besitzer? Wer ist das eigentlich? Was ist, wenn alles mit dem, mit dem ich mich bisher identifiziert habe, ich habe aber nicht bin? Wer und wo ist denn der, der dies alles hat? Dann entdecke ich, wenn ich meine Antwort auf all diese Fragen finde, dann entdecke ich: Mich gibt es! Ich spüre, ich bin existent, jeder der bei Verstand ist, kann sich selbst beobachten. Kann sich selbst in Frage stellen und kann gar nicht vermeiden, sich selbst zu erkennen. Ich bin ein neugieriger Mensch und will nicht das glauben, was ich gelesen oder gehört habe. Ich weiß das, was ich durch meine Neugier aus eigener Erfahrung erfahren bzw. erlebt habe. Und ich kann meine eigene Existenz erleben, mich gibt es. Ich kann zwar nicht beschreiben, wie ich das mache, aber ich kann auch niemanden erklären, wie man denkt. Jeder macht das, aber erklären kann es keiner. Also ich erlebe, dass ich existent bin. Und dann frage ich mich, wie alt bin ich? Dann fällt mir das Baujahr meines Körpers ein, aber ich, der Besitzer, wie alt ist der eigentlich? Dann fühle ich mich hinein; dabei erfahre und erlebe ich: Da ist gar kein Alter! In der Verbindung mit Existenz ist Alter nicht anwendbar. Ich bin alterslos, und so kann ich Schritt für Schritt aus eigener Erfahrung Dinge feststellen, wie sie sind. Dabei komme ich mir immer näher, indem ich mir das bewusst mache. Damit komme ich zu Bewusstsein. Ich bin Bewusstsein.


Was waren die gravierendsten Krisen in Ihrem Leben, und wie sind Sie damit umgegangen?

Ein Teil meiner Krisen war in der Zeit, als ich noch nicht bei Bewusstsein war. Da war ich bei Verstand und benutzte ihn und meine Lebenserfahrung im Meistern der Krisen. Dabei bemerkte ich, dass dies nur begrenzte Möglichkeiten bot, und ich fand schnell einen anderen Weg. Ich kaufte mir Lebenserfahrung, nämlich Ratgeber, die erfahren und Experten waren. Dabei bemerkte ich, dass einige sich nur einbildeten, Experten oder Spezialisten zu sein. Dadurch lernte ich, die Spreu vom Weizen zu unterscheiden. Dadurch fand ich dann die echten Experten. Guter Rat ist teuer, denn erfahrene Menschen brauchen fast ein ganzes Leben lang, um Erfahrungen zu sammeln. Ich ließ mich beraten, habe dann aber nie vorbehaltslos den Rat umgesetzt. Erst als ich für mich spürte, dass es richtig ist, habe ich entschieden. Ich bin der, der umsetzt und die volle Verantwortung dafür übernimmt. Das war mein Weg, solange ich nicht bei Bewusstsein war.Als ich dann bei Bewusstsein war, habe ich das innere Zentrum der Weisheit gefragt, das innewohnende Ideal einer Sache erkannt und das als Vision verwirklicht.


Wie ist Ihr persönlicher Umgang mit Kritik?


Kritik ist für mich ein Kompliment, denn mit jeder Kritik sagt mir der Andere: „Du warst mir so wichtig, dass ich mich mit dir befasst habe. Ich habe mich mit Dir auseinander gesetzt und habe versucht, Deine Substanz zu finden. Dann glaube ich etwas gefunden zu haben, was meiner Meinung nach nicht gut ist.“
Damit macht mir der Kritiker ein Kompliment, indem er mir zeigt, ich bin Gegenstand seines Interesses. Weiters erhalte ich durch die Kritik ein Geschenk. Die Chance meine Situation durch andere Augen zu sehen. Ich kann analysieren, ob die Kritik berechtigt ist. Denn ich bin offen für Kritik, da diese für mich nichts Herabsetzendes ist, sondern etwas Gutes: das Interesse. Dann sage ich danke und schaue hin, ob das denn stimmt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder es stimmt, was kritisiert wird, dann sage ich danke. Danke für eine neue Sichtweise, wie ich es noch nicht gesehen habe. Berechtigte Kritik bewirkt bei mir Handlungsbedarf, und dafür bin ich dankbar. Es gibt auch die unberechtigte Kritik, dann ist es die individuelle Sicht des Kritikers. Der Kritiker ist auch berechtigt, das so zu sehen, aber ich habe damit nichts zu tun.


Welche Erfahrungen im Umgang mit Krisen möchten Sie den (jungen) Menschen weitergeben?


Mir gefällt die Aussage von Churchill, als er gefragt wurde: „Was ist Ihr wichtigster Rat, den Sie aufgrund Ihres langen Lebens anderen Menschen geben möchten?“ Nach einer Weile des Überlegens antwortete Churchill:„Gib niemals auf!“
Dem möchte ich meinen Teil hinzufügen:„Finde Deinen Weg und gib niemals auf!“


In welchen Lebensabschnitten bzw. Phasen haben Sie am meisten gelernt?


Das habe ich mich auch schon gefragt. Dabei komme ich immer wieder zum gleichen Ergebnis. Es gibt einen Abschnitt in meinem Leben, in dem ich am meisten gelernt habe. Das ist jetzt, es war immer jetzt. Immer im Jetzt baute ich auf bisherige Erfahrungen auf und konnte einen nächsten Schritt tun. Jedes Jetzt ist absolut neu, und in jedem Jetzt ist eine neue Erfahrung möglich. Leben findet nur in diesem Augenblick, im Jetzt statt. Niemand hat die Chance, vorher oder nachher zu leben. Die meisten Menschen leben aber im Vorher oder Nachher und sind dadurch nicht im Jetzt, wo das Leben stattfindet. Dadurch versäumen sie ihr Leben. Oder wie neulich jemand erzählte: „Da klopfte das Glück an meiner Türe und ich war gerade auf dem Weg, das Glück zu suchen.“ Wenn ich jetzt bin, dann bin ich dort, wo mein Leben stattfindet, und nur im Jetzt habe ich die Chance, alles zu ändern. Nur im Jetzt kann ich das Leben und die Zukunft gestalten.


Wie ist Ihr persönlicher Umgang mit der Situation, dass sich Technologien (insbesondere die Informationstechnologie), Märkte und äußere Umstände in einer steigenden Beschleunigung verändern?


Es geht immer schneller und wird auch in Zukunft noch schneller gehen. Weil unser Bewusstsein immer schneller wird. Zum Beispiel, ganz unbemerkt ist eine neue Generation geboren worden. Wir Älteren haben ein lineares Bewusstsein, wir arbeiten eines nach dem anderen ab. Neues baut auf dem Vorherigen auf, und die Jungen haben das nicht. Die junge Generation hat ein multikausales und multidimensionales Bewusstsein. Die können nicht nur mehrere Dinge gleichzeitig machen, die müssen sogar mehrere Dinge gleichzeitig machen, sonst sind sie unterfordert! Das heißt also, sie sind optimal vorbereitet auf die Beschleunigung der Zeit. Aber gleichzeitig sollten wir gegensteuern und sollten unser Leben entschleunigen. Zum Beispiel mittels Zen, das ich selbst sehr schätze, dass ich mittels Zen-Bewusstsein im ewigen Jetzt bin.
In diesem ewigen Jetzt-Bewusstsein die Möglichkeiten wahrnehmen, die sich jetzt bieten. Im Jetzt gibt es keine Zeit, denn es ist ewig. Da nehme ich gerne die moderne Technologie wie Navigation und Mobiltelefonie in Anspruch. Ich weiß gar nicht, wie das alles funktioniert, aber ich weiß, was ich von meinem Mobiltelefon erwarte und was ich brauche. Genauso mit meinem PC, ich kann das, was ich brauche. Das, was ich wissen möchte, das kann ich lernen. Also nehme ich in meine zeitlose Welt die Dinge aus der Beschleunigung herein, was mein zeitloses Sein bereichert. Das ist eine wunderbare Symbiose.


Wie ist Ihre persönliche Einstellung gegenüber Veränderungen?


Ein Mensch, ein Verstand, ein Ich sucht nach Beständigkeit. Aber Leben ist Veränderung, für mich ist das, was geschieht, Leben pur. Leben ist Veränderung! Deswegen kann mich Veränderung weder überraschen, ängstigen nochbedrücken. Sondern ich lebe die Veränderung des Lebens.


Bedarf es dazu eines Vertrauens ins Leben oder gar ein gesundes Selbst- oder Urvertrauen?


Das ergibt sich, wenn Sie zu Bewusstsein gekommen sind und Sie wissen: „Ich war, bevor dieses Leben begonnen hat, ich bin während dieses Lebens und ich werde sein, wenn dieses Leben zu Ende ist.“ Das ist wie eine Autofahrt, ein Leben lebt man, bevor man ins Auto steigt, während man fährt und wenn man am Ziel aussteigt, lebt man immer noch. Das gibt eine derartige Beruhigung, diese Gewissheit des ewigen Seins.
Achtgeben sollte man auf ein falsches Selbstbewusstsein, das vom Ego ausgeht. Das sagt, ich bin der Größte und schaffe alles, das ist kein Bewusstsein. Denn wenn wir zum richtigen Bewusstsein gekommen sind, dann wissen wir, wir sind ein ungetrennter Teil des Einen. Da gibt es niemanden, der geringer ist als Sie selbst. Es gibt aber auch keinen, der höher ist als Sie selbst. Wir sind alle dieses eine Sein. Von daher sind wir in der Geborgenheit des Seins, wir sind ewig und es kann uns nichts passieren. Also lassen wir doch die Veränderungen geschehen. 


Welche Bedeutung hat der Glaube für Sie bzw. was ist Ihre Definition vom Glauben?


Also ich glaube gar nichts, ich glaube an absolut nichts. Mein Vater hat mir frühzeitig gesagt: „Glauben heißt nichts wissen.“ Dadurch wollte ich immer schon wissen. Glauben ist aber ein wunderbarer Führer, wenn ich etwas glaube; dann bin ich interessiert; etwas zu erfahren. Für mich ist Glaube ein Führer zur Gewissheit. Ich lehne mich nicht an eine Religion an, mein einziger Maßstab ist Wahrheit und Wirklichkeit. Unabhängig der Religionsrichtung, überall begegnet mir Wahrheit und Wirklichkeit, daher sind mir alle willkommen.


Sie wirken sehr ausgeglichen. Wie gelingt es Ihnen, Ihr berufliches Engagement mit dem Privatleben zu vereinbaren?


Ich suche, finde und brauche viel Muße. Arbeiten kann ich unglaublich schnell und konzentriert, da bin ich ein Sprintertyp. Dadurch arbeite ich konzentriert für eine Stunde und lasse dann wieder los. Das heißt, ich brauche Zeit, um wieder in die Zeitlosigkeit einzutauchen bzw. ich bin die ganze Zeit drin und tauche ins Tun ein und bin mir dessen nicht mehr bewusst. Dann kehre ich wieder zurück ins Zen, ins zeitlose Sein. Dadurch bin ich die meiste Zeit im Sein, dann gehe ich wieder raus, sprinte und mache wieder was, bis ich wieder zurückkehre.


Zum Privatleben: Wie wichtig sind Familie und Freundschaften für Sie?


Ich bin davon nicht abhängig, aber es sind wunderbare Geschenke, die das Leben bereichern. Ich habe traumhafte Töchter, hatte eine wunderbare Mutter, eine gute Schwester und meine Lieblingsfrau. Es gibt viele, die wollen meine Freunde sein. Aber ich bin mir selbst Gesellschaft genug. Es ist aber immer wieder eine wunderbare Bereicherung, mit Menschen zusammenzukommen, die ähnliche oder gleiche Interessen haben. Mit denen Wahrheit und Wirklichkeit anzuschauen und sich auszutauschen. Dabei auch durch deren Augen auf das Leben schauen. Das sind wunderbare Begegnungen, und dann kehre ich wieder gerne zurück in die Stille. Der Stille zu lauschen, ist mitunter für mich die schönste Musik. Da finde ich alle Antworten auf alle Fragen,die Lösung für jede Aufgabe, und alles ist so erstaunlich einfach. Die Schöpfung ist so etwas von genial einfach.


Die Wichtigkeit von Bildung ist unumstritten. Welche Empfehlungen gibt es Ihrerseits an nachfolgende Generationen?


Wir sollten Bildung neu definieren. Das, was wir heute als Bildung bezeichnen, ist vor 150 Jahren geprägt worden. Das naturwissenschaftliche Denken als Vorbereitung auf ein Studium, dass die Menschen einmal lesen und schreiben konnten. Dass Kommunikation und ein identischer Wissenstand vorhanden waren. Aber Bildung sagt ja schon von der Weisheit der Sprache etwas anderes. Bildung ist nicht das Wiederkäuen von etwas, was andere gedacht haben und das möglichst auswendig zu wissen. Zukünftige Generationen werden gar nichts mehr wissen. Die werden es für ganz unwichtig finden, ihren Kopf vollzustopfen mit Wissen, sie müssen nur wissen, wo sie es finden. Aber im Kopf sollte der Raum sein, um damit umzugehen. Also es braucht eine Leere und sehr viel Raum. Wir nehmen einen Gedanken oder etwas in diese Leere und gehen damit um. Das ist für mich Bildung. Im Wort „Bildung“ ist ja das Wort „Bild“ enthalten, das bedeutet auch, dass ich wie ein Bildhauer von mir ein Bild gestalte. Dass ich der werde, der ich bin, und dass ich zu mir selbst erwache. Das alles ist für mich Bildung, das hat mit Wissen im eigentlichen Sinne wenig zu tun.


Eigene Weisheiten


Nach wie vor glaube ich, dass Menschen gerne an der Hand genommen werden. Dass sie gerne hören, wie etwa bestimmte Gesetzmäßigkeiten funktionieren. Damit sie verstehen, was hinter dem Sichtbaren vorgeht. Dass man den Menschen sagt, was am besten erscheint aus ihrer Sicht der Dinge. Aber sie anleitet, wie Buddha schon sagte: „ Glaube mir kein Wort, nimm aber alles als Botschaft des Lebens hin und prüfe es in dir selbst, ob es für dich brauchbar ist, ob es Teil deines Lebens ist, ob du es in dein Leben einladen möchtest, ein Teil deines Lebens zu werden.“ Das ist meines Erachtens der optimale Umgang mit dem Leben. Geh durch das Leben wie Alice im Wunderland, denn in jedem Augenblick im Jetzt passiert stets etwas Wunderbares. Etwas, das noch nie war, denn alles im Leben ist absolut einmalig. Es ist stets eine Premiere ohne Generalprobe, das Jetzt passiert so, wie es ist. In dem Jetzt erschaffen wir bereits das nächste Jetzt.


Angehängte Querverweise:

(1) Es geht nicht darum, sich auf die Kunden zu stürzen und ihnen unbedingt etwas verkaufen wollen. Zuerst muss der Kunde gefragt werden, welche Bedürfnisse er hat. Anschließend müssen Sie dem Kunden helfen, dass er seinen Traum verwirklicht. Nicht versuchen, ihm etwas zu verkaufen, sondern Sie verkaufen Träume.

(2) Die Wahrnehmung und Identifikation als Mensch begrenzt das schöpferische Potential. Weil damit der Verstand die höchste Instanz im Menschen ist und bei Fragen stets die Logik befragt wird. Es gibt aber, wenn man aufgewacht, sprich: bei Bewusstsein ist, viele Dinge, die logisch wie brillant sind. Aber trotzdem sind diese falsch, und dann muss ich wieder erkennen, dass Logik auch wieder begrenzt ist. Nehmen wir nur ein einziges Beispiel: Wir lernen in der Schule die Mathematik der Gelehrten, wir lernen, eins und eins ist zwei. Wer das tut, kommt jederzeit zum gleichen Ergebnis. Das ist absolut gewiss. Dadurch erscheint uns Mathematik als absolute Gewissheit. Aber im Leben ist das kaum brauchbar, denn im Leben sind die Gewissheiten sehr selten. Da geht es um Wahrscheinlichkeiten, Chancen, Risiken, Möglichkeiten. Somit müsste ich eine Mathematik der Wahrscheinlichkeiten lernen. Die muss ich mir aber im Laufe des Lebens selbst beibringen, dass ich lerne, alle Risiken abzuwägen. Nach welchen Kriterien entscheide ich überhaupt? Dann lerne ich sehr schnell z.B. als Investor, dass es Investitionen gibt mit höherem und geringerem Risiko. Dann lerne ich auch, das Risikoverhältnis einzuschätzen, denn normalerweise sind Dinge mit hohen Gewinnversprechen mit hohem Risiko behaftet. Normalerweise, aber nicht immer! Es gibt durchaus Möglichkeiten, die haben ein geringes Risiko und eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit. Wenn ich mich darauf konzentriere bei meinen Investitionen, kann ich den Erfolg gar nicht mehr vermeiden. Deswegen müssen wir lernen, in Wahrscheinlichkeiten zu denken und nicht mehr in Gewissheit. Als Investor gilt die Regel: Fix ist fast nichts.