Interview Prof. Dr. Claus Hipp

Interview Prof. Dr. Claus Hipp
19.11.2013 München


Wie definieren Sie Erfolg im Leben?

Erfolg generell ist, das man es recht macht. Erfolg lässt sich nicht nur in Geld ausrücken, denn keiner kann es mitnehmen. Wir werden später nicht daran gemessen, wieviel wir angehäuft haben, sondern wie verantwortungsvoll wir damit umgegangen sind.

Herr Hipp, Sie sind jetzt 75 Jahre jung. Was waren Ihre größten Erfolge?

Wesentlich ist, dass wir uns um die Schöpfung bemüht haben, dass wir auf biologischen Landbau gesetzt haben, Nachhaltigkeit und jetzt die Erhaltung der Artenvielfalt. Das alles in Verbindung mit Produkten. Es zu beachten, dass die Bewegung zur Nachhaltigkeit und Ökologie, die mittlerweile auch die Politik berührt, von der Wirtschaft ausgegangen ist.


Wie haben sich Ihre Erfolge auf andere Menschen ausgewirkt?

Unsere Erfolge haben sich auf unsere Lieferanten ausgewirkt, diese hatten einen zuverlässigen Abnehmer. Natürlich haben sich unsere Erfolge auch auf unsere Kunden ausgewirkt, dass diese eine gesunde Ernährung haben. Unsere Mitarbeiter und Beschäftigten haben einen sicheren Arbeitsplatz.


Hatten Sie in Ihren jungen Jahren einen Mentor oder ein Vorbild?

Ja, ich habe immer Menschen um mich gehabt, die mich positiv beeinflusst haben. Ursprünglich war es mein Vater. Was den biologischen Landbau betrifft war es Dr. Hans Müller, der Begründer des Organischen-Biologischen Landbaus in der Schweiz. In späteren Jahren, als wir begonnen haben, die osteuropäischen Länder von Österreich aus zu beliefern, war es Dr. Otto von Habsburg, der mir ein treuer Freund war. Er war ein guter Ratgeber, den ich immer fragen konnte, denn er hatte ein ausgeprägtes Gespür mit Weitsicht.


An welchen Merkmalen lässt sich ein geeigneter Mentor bzw. Ratgeber erkennen?

Mir ist wichtig dabei, dass derjenige, der einen Rat gibt, etwas zu sagen hat. Dass er bescheiden ist und kein Selbstdarsteller. Er sollte wohlwollend sein.Wohlwollend erkennt man daran, dass der Rat selbstlos erfolgt. Der gekaufte Rat ist ja so, dass der Ratgeber oft Interesse hat, möglichst lange Rat zu geben, um Geld zu verdienen. Hingegen der wohlwollende Rat ist manchmal ganz kurz, eine Bestärkung, selbstlos, ohne Selbstdarstellung.


Wussten Sie als junger Mensch, was Sie später einmal arbeiten wollen bzw. was aus Ihnen werden sollte?

Im Familienunternehmen bin ich groß geworden, mit vier Jahren habe ich dort schon gespielt. Mein Vater war ein sehr kluger Mann, der mich rechtzeitig für das Unternehmen begeistert hat. Ich hatte zwar als junger Mensch auch andere Träumereien, das gehört dazu. Aber dadurch, dass mir mein Vater schon sehr früh Verantwortung übertragen hat, war es ein Weg, den ich bis heute mit Freude gegangen bin. Konkret den Weg des Unternehmers.


Fühlten Sie sich dazu berufen? Denn Sie verfügen auch über künstlerische Talente.

Also ich bin überzeugt, dass ich zum Führen berufen bin. Das war schon in der Schule so, dass ich ohne mein Zutun Klassen- bzw. Schulsprecher war. Gedrängt danach habe ich mich nie, es hat sich halt so ergeben. Verantwortung habe ich immer gerne übernommen und getragen.


Was ist Ihr Führungscredo, das Sie uns jungen Menschen gerne weitergeben möchten?

Nach dem Prinzip von Immanuel Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Im weitesten Sinne: „Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst.“


Wenn Sie ein Ziel hatten, wie gelang es Ihnen, dieses Ziel zu erreichen?

Ein Ziel zu erreichen war oft mühsam. Wichtig dabei ist, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dass es nach einer Niederlage wichtig ist, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Und dass das Ziel auf eine anständige Art und Weise verfolgt wird. Dies ist unter Umständen ein längerer Weg, aber ich denke, der richtige Weg ist nicht immer der direkte, der zum Ziel führt.


Ihrer Biographie entnehme ich, dass Sie viele richtige Entscheidungen in Ihrem Leben getroffen haben. Verraten Sie mir Ihre Methode, wie Sie „richtig entscheiden“?

Ich höre mir natürlich die Meinung anderer Menschen an, vor allem von Mitarbeitern und Familie. Schlussendlich bin ich ein Mensch, der bei Fehlentscheidungen schnell korrigiert. Daher kann ich mutig und schnell entscheiden. Es ist einfach besser zu entscheiden und zu korrigieren als nicht zu entscheiden. Denn nicht geschossen ist auch gefehlt.
Entscheidungen basieren nach dem momentanen besten Wissens- und Gewissensstand. Dies kann sich aber ändern, und dann muss man sich umentscheiden.  

Was waren die gravierendsten Krisen in Ihrem Leben, und wie sind Sie damit umgegangen?

Fehlentscheidungen hat es bei mir auch gegeben, das war meistens, wenn wir uns branchenfremd engagiert haben. Das war dann nicht so erfolgreich, dann gilt es, zum Fehler zu stehen und den Rückzug anzutreten, mit der Erkenntnis, dass es der falsche Weg war.


Wie war / ist Ihr Umgang mit Kritik?

Ich bin durchaus kritikfähig und nehme Kritik nicht persönlich. Kritik hilft, ein besseres Ergebnis zu erreichen. Es gibt auch Kritiker, die Nörgler und Besserwisser sind. Diese kennen die Wahrheit nur zu einem geringen Teil. Diese Kritik kommt dann oft aus Medien, das ist zwar ärgerlich, darf aber nicht zu ernst genommen werden.

 

Welche Erfahrungen im Umgang mit Krisen möchten Sie den (jungen) Menschen weitergeben?

Krisen gehören zum Leben dazu, das ist ganz normal. Der Tapfere steht wieder auf und geht weiter.


In welchem Lebensabschnitten bzw. welchen Phasen haben Sie am meisten gelernt?

Als Kind denke ich, da ist am meisten Platz im Gehirn, den man sich auffüllen muss.

Wie ist Ihr persönlicher Umgang mit der Situation, dass sich Technologien (insbesondere die Informationstechnologie), Märkte und äußere Umstände in einer steigenden Beschleunigung verändern?

Da sind wir reingewachsen und lernen, ständig damit umzugehen. Wenn wir heute betrachten,wie kleine Kinder mit digitalen Medien umgehen, wie fix und schnell die dies bedienen mit 3 – 4 Jahren, dann können wir ausrechnen, wie sich die Beschleunigung weiterhin beschleunigen wird. Wir sollten nicht darüber schimpfen, sondern die Vorteile sehen und diese einsetzen.

Wie ist Ihre persönliche Einstellung gegenüber Veränderungen?

Wer nicht bereit ist, Veränderungen zuzulassen, macht Rückschritte. Wer Rückschritte macht, den gibt’s irgendwann nicht mehr. Veränderungen sind ein wichtiger Teil des Lebens.

Sie wirken sehr ausgeglichen. Wie gelingt es Ihnen, Ihr berufliches Engagement mit dem Privatleben zu vereinbaren?

Es gibt Sorgen im privaten Bereich und es gibt Sorgen im Geschäftsbereich. Privat und Geschäft zu trennen ist sicherlich sinnvoll. Denn sonst trägt man die Sorgen von einem ins andere rein. Es gibt da die Chance, dass die Sorgen in einem Bereich geringer sind, und daher ist eine Trennung ratsam.


Zum Privatleben: Wie wichtig sind Familie und Freundschaften für Sie?

Familie ist sehr wichtig für mich. Nun ist der Kontakt zu den eigenen Kindern stärker und intensiver als der Kontakt zur Großfamilie. Es gibt zwar schon Gelegenheiten, wo man sich trifft, das ist auch sehr wichtig. Familie ist auch Verpflichtung, für die anderen da zu sein, und es ist auch wichtig, der nächsten Generation Familie vorzuleben. Um auch zu hören wie die nächste Generation sagt: „Wir machen es besser als ihr.“ Sprich, in die nächsten Generationen hineinzuhören.

Freundschaften sind eine Bereicherung, die einem geschenkt werden. Diese erfordern auch Pflege. Während Freundschaften, die dazu dienen, Vorteile zu haben, nicht von langer Dauer sind.


Die Wichtigkeit von Bildung ist unumstritten. Welche Empfehlungen gibt es Ihrerseits an nachfolgende Generationen?

Der griechische Philosoph Heraklit hat mal gesagt: „Vielwisserei nährt den Verstand nicht.“ Wir machen im Augenblick den Fehler, dass wir zuviel Wissen in die Köpfe packen. Heraklit sagt an anderer Stelle: „Wir sollen nicht ein Fass füllen, sondern eine Flamme nähren.“ Die derzeitige Ausbildung überfrachtet junge Menschen. Wir sollten als Ziel den gebildeten Menschen haben und nicht nur den gut ausgebildeten. Zur Bildung gehört noch vieles anderes dazu, was einen gebildeten Menschen ausmacht. Wir müssen wieder mehr Freiraum schaffen für die, die unterrichten. An Volksschule, Gymnasium und Universität soll auf die Individualität der jungen Menschen eingegangen werden. Also weg vom zu sehr verschulten Wissenspauken hin zu mehr Freiheit, dass Bildung entstehen kann. Dass mehr über Schlüsse gesprochen wird, z.B. beim Geschichtsunterricht, dass aus heutigem Standpunkt aus Schlüsse gezogen werden. Gut fände ich es, wenn ein Philosophieschein auf jedem Studium an einer Universität angerechnet werden würde. Unabhängig davon, ob es ein Mediziner, Mathematiker oder Jurist ist.


Sind Sie der Auffassung, dass sich Geschichte permanent wiederholt?

Ja, es ist so, dass sich Geschichte wiederholt, und unsere Aufgabe wäre, Geschichte zu kennen und dementsprechend in die Zukunft zu schauen. Letztendlich nach vorne zu schauen und zu wissen, was hinten war.

Welche Bedeutung hat der Glaube für Sie bzw. was ist Ihre Definition vom Glauben?

Glaube heißt, was für wahrhalten, was ich nicht verstehe, sonst wäre es ja Wissen. Glauben erfordert auch Demut zu sagen: „Das weiß ich nicht, das soll für mich gelten“.  Glaube ist eine Richtlinie, an der ich mich orientieren und festhalten kann und in meinem Leben von großer wie wichtiger Bedeutung.

Wir haben die Freiheit zu glauben, genauso wie den freien Willen. Mit dem freien Willen können wir Dinge für wahrhalten oder nicht.

Wenn eine Person in der Wirtschaft eine schwierige Entscheidung zu fällen hat, eine Entscheidung, auf die sie keinen Einfluss nehmen kann oder eine große Gefahr droht. Dann kann der Gläubige all das tun, was der Atheist auch tun kann. Nur der Gläubige kann beten und erhält dadurch Hoffnung. Mit der Hoffnung ist der Gläubige in einer stärkeren Position. Denn der hoffnungsvolle Mensch wird immer erfolgreicher sein als ein hoffnungsloser.

In Ihren öffentlichen Redensprechen Sie darüber, dass das Einhalten von gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht ausreichend ist. Sondern es geht auch um Tugenden im zwischenmenschlichen und besonders im wirtschaftlichen Leben.

Tugend ist das Bestreben, gut zu handeln, das Bestreben zum Guten.Und nichts Böses zu tun heißt noch lange nicht, etwas Gutes gemacht zu haben. Also Tugendhaftigkeit ist mehr, es ist das Verbessern und sich nach Höherem ausrichten. Deswegen sollten wir uns mehr die Tugenden vor Augen führen.


Hat für Sie die Tugendhaftigkeit damit zu tun, selbst stets nach Höherem zu streben und sich kontinuierlich zu verbessern?

Besser zu werden ist ein ganz normales Anliegen der Tugenden. Es soll ein inneres Bedürfnis sein, besser werden zu wollen.

Denken Sie über Sie über sich selbst im Sinne einer Selbstreflektion nach oder hinterfragen Sie sich selbst am Abend?

Nein, so etwas mache ich nicht. Es ist selbstverständlich, wenn man eine Fehlentscheidung getroffen hat, sich die Finger verbrannt hat, sofort anders zu handeln. Das steckt sofort im Kopf und bedarf keiner langwierigen Reflektion, Analyse oder Rekapitulation.

Sie wirken sehr selbstbewusst. Woher kommt dieses Selbstbewusstsein bzw. Ihre Stärke?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Solange das Gewissen rein und ruhig ist, denke ich, sind wir selbstbewusst und stark. Hingegen, wenn wir ein belastetes Gewissen herumtragen, sind wir unsichererund schwächer.

Selbstvertrauen ist begrenzt durch die eigenen Grenzen, die ich auch kenne. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich für meinen Erfolg stets die Unterstützung, das Können und Wissen anderer Menschen benötige.


Gibt es zum Thema Führung bestimmte Leitsätze bei Ihnen und in Ihrem Unternehmen?

Wir haben eine Ethikcharta, auf der alles festgelegt ist. Dies betrifft Mitarbeiter und Lieferanten. Es ist nicht nur Chefsache, sondern betrifft alle, die mit unseren Unternehmen zu tun haben.


Woher kommt bei Ihnen der Antrieb für ethisches und moralisches Handeln?

Ehrbares Kaufmannstum ist eine ganz alte Sache, das ist nichtsNeues. Sie können davon ausgehen, dass die meisten ehrbar handeln wollen. Es gibt leider auch Ausnahmen, die kurzfristig erfolgreich sein wollen, das hat aber auf Dauer keinen Bestand. Ich bin überzeugt, dass es ein Wettbewerbsvorteil ist, wenn die Kunden Vertrauen in ein Unternehmen haben.


Welche Empfehlungen haben Sie an die nachfolgenden Generationen?

Wenn anständig und wertebewusst gehandelt wird, dann unterlaufen einem keine großen Fehler. Wenn man den Weg der Tugend verlässt, geht man ein großes Risiko ein. Tugendhaftigkeit lässt sich durch Vorleben am besten vermitteln und erlernen. Durch das Anwenden der Tugenden entsteht Erfahrung, das ist eine gute Schule.

Interview Prof. Dr. Claus Hipp
19.11.2013 München


Wie definieren Sie Erfolg im Leben?

Erfolg generell ist, das man es recht macht. Erfolg lässt sich nicht nur in Geld ausrücken, denn keiner kann es mitnehmen. Wir werden später nicht daran gemessen, wieviel wir angehäuft haben, sondern wie verantwortungsvoll wir damit umgegangen sind.

Herr Hipp, Sie sind jetzt 75 Jahre jung. Was waren Ihre größten Erfolge?

Wesentlich ist, dass wir uns um die Schöpfung bemüht haben, dass wir auf biologischen Landbau gesetzt haben, Nachhaltigkeit und jetzt die Erhaltung der Artenvielfalt. Das alles in Verbindung mit Produkten. Es zu beachten, dass die Bewegung zur Nachhaltigkeit und Ökologie, die mittlerweile auch die Politik berührt, von der Wirtschaft ausgegangen ist.


Wie haben sich Ihre Erfolge auf andere Menschen ausgewirkt?

Unsere Erfolge haben sich auf unsere Lieferanten ausgewirkt, diese hatten einen zuverlässigen Abnehmer. Natürlich haben sich unsere Erfolge auch auf unsere Kunden ausgewirkt, dass diese eine gesunde Ernährung haben. Unsere Mitarbeiter und Beschäftigten haben einen sicheren Arbeitsplatz.


Hatten Sie in Ihren jungen Jahren einen Mentor oder ein Vorbild?

Ja, ich habe immer Menschen um mich gehabt, die mich positiv beeinflusst haben. Ursprünglich war es mein Vater. Was den biologischen Landbau betrifft war es Dr. Hans Müller, der Begründer des Organischen-Biologischen Landbaus in der Schweiz. In späteren Jahren, als wir begonnen haben, die osteuropäischen Länder von Österreich aus zu beliefern, war es Dr. Otto von Habsburg, der mir ein treuer Freund war. Er war ein guter Ratgeber, den ich immer fragen konnte, denn er hatte ein ausgeprägtes Gespür mit Weitsicht.


An welchen Merkmalen lässt sich ein geeigneter Mentor bzw. Ratgeber erkennen?

Mir ist wichtig dabei, dass derjenige, der einen Rat gibt, etwas zu sagen hat. Dass er bescheiden ist und kein Selbstdarsteller. Er sollte wohlwollend sein.Wohlwollend erkennt man daran, dass der Rat selbstlos erfolgt. Der gekaufte Rat ist ja so, dass der Ratgeber oft Interesse hat, möglichst lange Rat zu geben, um Geld zu verdienen. Hingegen der wohlwollende Rat ist manchmal ganz kurz, eine Bestärkung, selbstlos, ohne Selbstdarstellung.


Wussten Sie als junger Mensch, was Sie später einmal arbeiten wollen bzw. was aus Ihnen werden sollte?

Im Familienunternehmen bin ich groß geworden, mit vier Jahren habe ich dort schon gespielt. Mein Vater war ein sehr kluger Mann, der mich rechtzeitig für das Unternehmen begeistert hat. Ich hatte zwar als junger Mensch auch andere Träumereien, das gehört dazu. Aber dadurch, dass mir mein Vater schon sehr früh Verantwortung übertragen hat, war es ein Weg, den ich bis heute mit Freude gegangen bin. Konkret den Weg des Unternehmers.


Fühlten Sie sich dazu berufen? Denn Sie verfügen auch über künstlerische Talente.

Also ich bin überzeugt, dass ich zum Führen berufen bin. Das war schon in der Schule so, dass ich ohne mein Zutun Klassen- bzw. Schulsprecher war. Gedrängt danach habe ich mich nie, es hat sich halt so ergeben. Verantwortung habe ich immer gerne übernommen und getragen.


Was ist Ihr Führungscredo, das Sie uns jungen Menschen gerne weitergeben möchten?

Nach dem Prinzip von Immanuel Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Im weitesten Sinne: „Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst.“


Wenn Sie ein Ziel hatten, wie gelang es Ihnen, dieses Ziel zu erreichen?

Ein Ziel zu erreichen war oft mühsam. Wichtig dabei ist, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dass es nach einer Niederlage wichtig ist, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Und dass das Ziel auf eine anständige Art und Weise verfolgt wird. Dies ist unter Umständen ein längerer Weg, aber ich denke, der richtige Weg ist nicht immer der direkte, der zum Ziel führt.


Ihrer Biographie entnehme ich, dass Sie viele richtige Entscheidungen in Ihrem Leben getroffen haben. Verraten Sie mir Ihre Methode, wie Sie „richtig entscheiden“?

Ich höre mir natürlich die Meinung anderer Menschen an, vor allem von Mitarbeitern und Familie. Schlussendlich bin ich ein Mensch, der bei Fehlentscheidungen schnell korrigiert. Daher kann ich mutig und schnell entscheiden. Es ist einfach besser zu entscheiden und zu korrigieren als nicht zu entscheiden. Denn nicht geschossen ist auch gefehlt.
Entscheidungen basieren nach dem momentanen besten Wissens- und Gewissensstand. Dies kann sich aber ändern, und dann muss man sich umentscheiden.  

Was waren die gravierendsten Krisen in Ihrem Leben, und wie sind Sie damit umgegangen?

Fehlentscheidungen hat es bei mir auch gegeben, das war meistens, wenn wir uns branchenfremd engagiert haben. Das war dann nicht so erfolgreich, dann gilt es, zum Fehler zu stehen und den Rückzug anzutreten, mit der Erkenntnis, dass es der falsche Weg war.


Wie war / ist Ihr Umgang mit Kritik?

Ich bin durchaus kritikfähig und nehme Kritik nicht persönlich. Kritik hilft, ein besseres Ergebnis zu erreichen. Es gibt auch Kritiker, die Nörgler und Besserwisser sind. Diese kennen die Wahrheit nur zu einem geringen Teil. Diese Kritik kommt dann oft aus Medien, das ist zwar ärgerlich, darf aber nicht zu ernst genommen werden.

 

Welche Erfahrungen im Umgang mit Krisen möchten Sie den (jungen) Menschen weitergeben?

Krisen gehören zum Leben dazu, das ist ganz normal. Der Tapfere steht wieder auf und geht weiter.


In welchem Lebensabschnitten bzw. welchen Phasen haben Sie am meisten gelernt?

Als Kind denke ich, da ist am meisten Platz im Gehirn, den man sich auffüllen muss.

Wie ist Ihr persönlicher Umgang mit der Situation, dass sich Technologien (insbesondere die Informationstechnologie), Märkte und äußere Umstände in einer steigenden Beschleunigung verändern?

Da sind wir reingewachsen und lernen, ständig damit umzugehen. Wenn wir heute betrachten,wie kleine Kinder mit digitalen Medien umgehen, wie fix und schnell die dies bedienen mit 3 – 4 Jahren, dann können wir ausrechnen, wie sich die Beschleunigung weiterhin beschleunigen wird. Wir sollten nicht darüber schimpfen, sondern die Vorteile sehen und diese einsetzen.

Wie ist Ihre persönliche Einstellung gegenüber Veränderungen?

Wer nicht bereit ist, Veränderungen zuzulassen, macht Rückschritte. Wer Rückschritte macht, den gibt’s irgendwann nicht mehr. Veränderungen sind ein wichtiger Teil des Lebens.

Sie wirken sehr ausgeglichen. Wie gelingt es Ihnen, Ihr berufliches Engagement mit dem Privatleben zu vereinbaren?

Es gibt Sorgen im privaten Bereich und es gibt Sorgen im Geschäftsbereich. Privat und Geschäft zu trennen ist sicherlich sinnvoll. Denn sonst trägt man die Sorgen von einem ins andere rein. Es gibt da die Chance, dass die Sorgen in einem Bereich geringer sind, und daher ist eine Trennung ratsam.


Zum Privatleben: Wie wichtig sind Familie und Freundschaften für Sie?

Familie ist sehr wichtig für mich. Nun ist der Kontakt zu den eigenen Kindern stärker und intensiver als der Kontakt zur Großfamilie. Es gibt zwar schon Gelegenheiten, wo man sich trifft, das ist auch sehr wichtig. Familie ist auch Verpflichtung, für die anderen da zu sein, und es ist auch wichtig, der nächsten Generation Familie vorzuleben. Um auch zu hören wie die nächste Generation sagt: „Wir machen es besser als ihr.“ Sprich, in die nächsten Generationen hineinzuhören.

Freundschaften sind eine Bereicherung, die einem geschenkt werden. Diese erfordern auch Pflege. Während Freundschaften, die dazu dienen, Vorteile zu haben, nicht von langer Dauer sind.


Die Wichtigkeit von Bildung ist unumstritten. Welche Empfehlungen gibt es Ihrerseits an nachfolgende Generationen?

Der griechische Philosoph Heraklit hat mal gesagt: „Vielwisserei nährt den Verstand nicht.“ Wir machen im Augenblick den Fehler, dass wir zuviel Wissen in die Köpfe packen. Heraklit sagt an anderer Stelle: „Wir sollen nicht ein Fass füllen, sondern eine Flamme nähren.“ Die derzeitige Ausbildung überfrachtet junge Menschen. Wir sollten als Ziel den gebildeten Menschen haben und nicht nur den gut ausgebildeten. Zur Bildung gehört noch vieles anderes dazu, was einen gebildeten Menschen ausmacht. Wir müssen wieder mehr Freiraum schaffen für die, die unterrichten. An Volksschule, Gymnasium und Universität soll auf die Individualität der jungen Menschen eingegangen werden. Also weg vom zu sehr verschulten Wissenspauken hin zu mehr Freiheit, dass Bildung entstehen kann. Dass mehr über Schlüsse gesprochen wird, z.B. beim Geschichtsunterricht, dass aus heutigem Standpunkt aus Schlüsse gezogen werden. Gut fände ich es, wenn ein Philosophieschein auf jedem Studium an einer Universität angerechnet werden würde. Unabhängig davon, ob es ein Mediziner, Mathematiker oder Jurist ist.


Sind Sie der Auffassung, dass sich Geschichte permanent wiederholt?

Ja, es ist so, dass sich Geschichte wiederholt, und unsere Aufgabe wäre, Geschichte zu kennen und dementsprechend in die Zukunft zu schauen. Letztendlich nach vorne zu schauen und zu wissen, was hinten war.

Welche Bedeutung hat der Glaube für Sie bzw. was ist Ihre Definition vom Glauben?

Glaube heißt, was für wahrhalten, was ich nicht verstehe, sonst wäre es ja Wissen. Glauben erfordert auch Demut zu sagen: „Das weiß ich nicht, das soll für mich gelten“.  Glaube ist eine Richtlinie, an der ich mich orientieren und festhalten kann und in meinem Leben von großer wie wichtiger Bedeutung.

Wir haben die Freiheit zu glauben, genauso wie den freien Willen. Mit dem freien Willen können wir Dinge für wahrhalten oder nicht.

Wenn eine Person in der Wirtschaft eine schwierige Entscheidung zu fällen hat, eine Entscheidung, auf die sie keinen Einfluss nehmen kann oder eine große Gefahr droht. Dann kann der Gläubige all das tun, was der Atheist auch tun kann. Nur der Gläubige kann beten und erhält dadurch Hoffnung. Mit der Hoffnung ist der Gläubige in einer stärkeren Position. Denn der hoffnungsvolle Mensch wird immer erfolgreicher sein als ein hoffnungsloser.

In Ihren öffentlichen Redensprechen Sie darüber, dass das Einhalten von gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht ausreichend ist. Sondern es geht auch um Tugenden im zwischenmenschlichen und besonders im wirtschaftlichen Leben.

Tugend ist das Bestreben, gut zu handeln, das Bestreben zum Guten.Und nichts Böses zu tun heißt noch lange nicht, etwas Gutes gemacht zu haben. Also Tugendhaftigkeit ist mehr, es ist das Verbessern und sich nach Höherem ausrichten. Deswegen sollten wir uns mehr die Tugenden vor Augen führen.


Hat für Sie die Tugendhaftigkeit damit zu tun, selbst stets nach Höherem zu streben und sich kontinuierlich zu verbessern?

Besser zu werden ist ein ganz normales Anliegen der Tugenden. Es soll ein inneres Bedürfnis sein, besser werden zu wollen.

Denken Sie über Sie über sich selbst im Sinne einer Selbstreflektion nach oder hinterfragen Sie sich selbst am Abend?

Nein, so etwas mache ich nicht. Es ist selbstverständlich, wenn man eine Fehlentscheidung getroffen hat, sich die Finger verbrannt hat, sofort anders zu handeln. Das steckt sofort im Kopf und bedarf keiner langwierigen Reflektion, Analyse oder Rekapitulation.

Sie wirken sehr selbstbewusst. Woher kommt dieses Selbstbewusstsein bzw. Ihre Stärke?

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Solange das Gewissen rein und ruhig ist, denke ich, sind wir selbstbewusst und stark. Hingegen, wenn wir ein belastetes Gewissen herumtragen, sind wir unsichererund schwächer.

Selbstvertrauen ist begrenzt durch die eigenen Grenzen, die ich auch kenne. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich für meinen Erfolg stets die Unterstützung, das Können und Wissen anderer Menschen benötige.


Gibt es zum Thema Führung bestimmte Leitsätze bei Ihnen und in Ihrem Unternehmen?

Wir haben eine Ethikcharta, auf der alles festgelegt ist. Dies betrifft Mitarbeiter und Lieferanten. Es ist nicht nur Chefsache, sondern betrifft alle, die mit unseren Unternehmen zu tun haben.


Woher kommt bei Ihnen der Antrieb für ethisches und moralisches Handeln?

Ehrbares Kaufmannstum ist eine ganz alte Sache, das ist nichtsNeues. Sie können davon ausgehen, dass die meisten ehrbar handeln wollen. Es gibt leider auch Ausnahmen, die kurzfristig erfolgreich sein wollen, das hat aber auf Dauer keinen Bestand. Ich bin überzeugt, dass es ein Wettbewerbsvorteil ist, wenn die Kunden Vertrauen in ein Unternehmen haben.


Welche Empfehlungen haben Sie an die nachfolgenden Generationen?

Wenn anständig und wertebewusst gehandelt wird, dann unterlaufen einem keine großen Fehler. Wenn man den Weg der Tugend verlässt, geht man ein großes Risiko ein. Tugendhaftigkeit lässt sich durch Vorleben am besten vermitteln und erlernen. Durch das Anwenden der Tugenden entsteht Erfahrung, das ist eine gute Schule.